Demokratie und Sozialstaat gestalten
in unsicheren Zeiten
35 Jahre Verein für Sozialplanung
23. bis 25. September 2026
Landeshauptstadt Erfurt
Sie beschäftigen sich mit der Planung und Gestaltung sozialer Infrastruktur oder mit sozialpolitischen Fragen, um soziale Probleme zu lösen? Sie arbeiten in der Sozialplanung, Stadtplanung oder Stadtentwicklung und setzen sich für eine bedarfsgerechte Daseinsvorsorge ein?
Dann laden wir Sie herzlich zur Jubiläumstagung des Vereins für Sozialplanung ein.
Bringen Sie Ihre Perspektiven ein, vernetzen Sie sich mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Städten und Kreisen und nehmen Sie Impulse für Ihre eigene Arbeit mit!
Aktuelles zu den Workshops
Die bestätigten Workshops werden hier sukzessive aktualisiert und eingestellt:
Mittwoch 16 Uhr bis 17.30 Uhr
Vernetzte Versorgungsräume gestalten
Dr. Tobias Meier (HS Koblenz, VSOP)
Workshopbeschreibung
Der Workshop möchte erkunden, wie räumliche Versorgungssysteme unter den Bedingungen gesellschaftlicher Transformation sozialpolitisch weiterentwickelt werden können. Im Mittelpunkt steht dabei das Konzept „vernetzter Versorgungsräume“. Darunter werden räumliche Arrangements verstanden, in denen Versorgung nicht mehr primär über starre hierarchische Zentralitätsstufen organisiert wird, sondern über flächendeckend erreichbare, miteinander kooperierende und vertikal und horizontal vernetzte Versorgungszentren. Im Workshop sollen die hierfür notwendigen Rahmenbedingungen sowie sozialpolitischen Weichenstellungen diskutiert werden.
Wie kann Sozialplanung einen Beitrag zur Sicherung des demokratischen Gemeinwesens leisten und gleichberechtigte Teilhabe fördern?
Integrierte Sozialraumplanung im Zusammenspiel mit Quartiers- und Sozialraumarbeit in Erfurt
Olga Freier (Stabsstelle Sozialplanung Erfurt, VSOP)
Prof. Dr. Mario Rund (Hochschule Darmstadt, VSOP)
Workshopbeschreibung
Am Beispiel des Planungsverständnisses der integrierten Sozialraumplanung in Erfurt wird ein Planungsmodell vorgestellt, welches eine Möglichkeit bietet, einen Beitrag zur Sicherung des demokratischen Gemeinwesens zu leisten. Dabei werden soziale, baulich-räumliche und andere Fachplanungen untereinander stärker verknüpft und mit dem Erfahrungswissen der Quartiers- und Sozialraumarbeit in den Erfurter Quartieren zusammengeführt. Hierdurch können komplexe Planungsprozesse verständlicher gemacht werden und eine gruppenübergreifende Partizipationskultur gefördert werden. Eine bedarfsgerechte Infrastrukturplanung, Vertrauen in demokratische Strukturen, selbstbestimmte Teilhabe und das nachbarschaftliche Zusammenleben können somit begünstigt werden.
Welche Rolle kommt der Quartiers- und Sozialraumarbeit dabei zu? Welche Rolle nimmt die Sozialplanung ein? Und wie wirkt beides zusammen?
Über diese Fragen wollen wir gerne mit den Teilnehmenden in den Austausch gehen und ihre eigenen Planungserfahrungen bei der Diskussion mit einbeziehen.
Wohnraumversorgung in der Krise – Was kann Sozialplanung leisten?
Timo Heyn (empirica Institut, VSOP)
Workshopbeschreibung
- Fragestellungen zum Thema der Wohnraumversorgung
- Überblick zur Marktentwicklung – Gründe der Wohnungskrise
- Zielgruppen mit Versorgungsengpässen
- Instrumente und die Reichweite der Instrumente
Donnerstag 17 Uhr bis 18.30 Uhr
Gemeinsam für ein gutes, selbstbestimmtes Leben im Alter
Carolin Herrmann (Schnittpunkt/Alter, VSOP, Fachgruppe Alter&Pflege)
Dr. Vera Miesen (Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW, Fachberaterin für Offene Senior:innenarbeit, Quartiersentwicklung und Sozialraumorientierung)
Andreas Schindler (Arbeiterwohlfahrt BV Niederrhein, Referent Altenhilfe)
Workshopbeschreibung
Das Bündnis „Gemeinsam für ein gutes, selbstbestimmtes Leben im Alter“ lädt dazu ein, aus den verschiedensten Blickwinkeln die aktuelle kommunale Altenpolitik als Teil der lokalen Verantwortung für das Soziale zu beleuchten. Dabei geht es uns darum, Perspektiven aufzuzeigen, Spannungen zwischen zielgruppenspezifischen und sozialräumlichen Ansätzen zu thematisieren und dabei die Knappheit der kommunalen Mittel für Anliegen der Daseinsfürsorge nicht aus den Augen zu verlieren.
Wir plädieren trotz der unsicheren Zeiten für kommunales Engagement und wagen uns mit Mindeststandards der kommunalen Altenhilfe nach vorne. Dabei trennen wir dieses Arbeitsfeld nicht von z.B. Pflegeprävention und -unterstützung und den Herausforderungen anderer Generationen. Wir wertschätzen die Entwicklungen eines Altenhilfestrukturgesetzes im Land Berlin und beobachten, was in anderen Bundesländern geschieht. Gleichzeitig nehmen wir bundesweit heterogene Verhältnisse in Bezug auf Infrastrukturen und Leistungen der Altenhilfe wahr und plädieren weiterhin für gleichwertige Lebensverhältnissen.Wir werden im Workshop beteiligungsorientiert arbeiten und für unser Bündnis werben, denn gerade in schwierigen Zeiten können nur vielfältige Argumentationen und Aktionen die Entscheider*innen aus Politik und Verwaltung von der Stärkung der Selbstbestimmung der Alten und einer bedarfsgerechten Unterstützung überzeugen.
Was wäre, wenn Daten mehr erzählen könnten?
Künstliche Intelligenz in der Sozialplanung jenseits von ChatGPT
Prof. Dr. Isolde Heintze (HS Mittweida, VSOP)
Dr. Marika Kaden (HS Mittweida)
Workshopbeschreibung
Künstliche Intelligenz kann mehr als Texte schreiben. Im Workshop wollen wir uns dazu austauschen, welche Potenziale Künstliche Intelligenz für die Sozialplanung jenseits von ChatGPT und Co. bietet, welche Daten dafür benötigt werden und wie sich Bedarfe, Entwicklungen und sozialräumliche Muster im Rahmen von Sozialberichterstattung und Sozialplanung frühzeitig erkennen lassen. Gemeinsam diskutieren wir Chancen, Voraussetzungen und Grenzen eines verantwortungsvollen Einsatzes von Künstlicher Intelligenz.
Gemeinschaft fördern, Demokratie stärken –
Sozialplanung und Quartiersmanagement in Würzburg
Steffen Deeg (Staabsstelle Koordination und Sozialplanung, VSOP)
Workshopbeschreibung
Durch Maßnahmen der Quartiersarbeit sollen die Menschen in ihren sozialen Bezügen und somit ihr sozialer Zusammenhalt gestärkt werden. Das Zusammenwachsen, das voneinander wissen und lernen, sowie das funktionierende Zusammenleben in einem Quartier sollen Ausgrenzungs- und Vereinsamungsprozessen entgegenwirken. Das Miteinander in den Stadtbezirken und somit auch die demokratischen Strukturen sollen gestärkt werden.
Das Quartiersmanagement führt nach der „Würzburger Definition“ als sozialräumliche Koordinierungs- und Vernetzungsstelle Akteure aus den Einrichtungen im Stadtteil, den verschiedenen Bereichen der Verwaltung, der lokalen Politik, der privaten Wirtschaft, der lokalen Vereine und der nicht organisierten Anwohner zusammen, um den Stadtbezirk lebenswert zu gestalten.
Die Stabsstelle „Koordination und Sozialplanung“ hat die Aufgabe, die soziale Quartiersentwicklung zusammen mit den Fachdiensten der städtischen Referate, den Wohlfahrtsverbänden, Bürger:innen und weiteren Akteuren zu koordinieren.
Im Workshop soll nach eine kurzen Input v.a. ein Austausch zu den o.g. Themen stattfinden.
Warum braucht es eine reflexive Sozialplanung?
Anforderungen und Potenziale angesichts gefährdeter Demokratie und Sozialstaatlichkeit!
Prof. Dr. Marius Otto (Hochschule Landshut, VSOP)
Prof. Dr. Mario Rund (Hochschule Darmstadt, VSOP)
Workshopbeschreibung
Sozialplanung ist keine wertneutrale Verwaltungstätigkeit. Sie ist vielmehr normativ an den Grundwerten des demokratischen Verfassungsstaates, den Menschenrechten und den Prinzipien sozialer Gerechtigkeit orientiert. Angesichts autoritärer und demokratiegefährdender Entwicklungen besteht ihre Aufgabe darin, die kommunale demokratische Infrastruktur vor Ort zu stärken, soziale Kohäsion zu fördern und gleichberechtigte Teilhabe langfristig zu sichern. Dies setzt eine reflexive Sozialplanung voraus, die eigene Zielsetzungen und Steuerungslogiken kritisch hinterfragt und ihre Rolle nicht auf Datenerhebung oder administrative Steuerung reduziert. Sozialplanung sollte gesellschaftliche Entwicklungen nicht nur analysieren, sondern Bedingungen schaffen, unter denen unterschiedliche Akteure kommunale Problemlagen gemeinsam verhandeln und gestalten können. Dazu muss sie über einen rein problemorientierten Blick hinausgehen, soziale Realitäten im Sozialraum differenziert sichtbar machen und diese als Grundlage demokratischer Entscheidungsprozesse in Politik und Verwaltung einbringen. Der Workshop diskutiert Möglichkeiten und Grenzen einer reflexiven Sozialplanung in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung und autoritärer Tendenzen.
Freitag 9 Uhr bis 11.30 Uhr
Lego® Serious Play® im Kontext Sozialplanung: Einführung und erste Erfahrungen mit der LSP-Methode
Prof. Dr. Holger Wunderlich
Workshopbeschreibung
Bei Lego® Serious Play® handelt es sich um eine co-kreative Beteiligungsmethode, bei der mit den Händen gedacht wird. Im Workshop wird ein Überblick über die Methode gegeben (wissenschaftlicher Hintergrund, Anwendungsfelder, Ablauf, Ziel etc.) und es werden erste eigene Erfahrungen mit der Methode gemacht.
Strategische Sozialplanung in der Freien Wohlfahrtspflege
– Perspektiven für den ländlichen Raum
Pascal Simoleit (LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen, VSOP)
Christopher Bieniek (LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen)
Workshopbeschreibung
Wie kann sich die Freie Wohlfahrtspflege aktiv in die strategische Sozialplanung einbringen – gerade auch in ländlichen Strukturen? Der Workshop stellt das Kompetenzzentrum Strategische Sozialplanung (KOSSplus) der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege in Thüringen und seine Vision einer partnerschaftlichen, strategischen Sozialplanung vor, beleuchtet Chancen und Hürden der Zusammenarbeit mit Kommunen und weiteren Akteuren und präsentiert zentrale Ergebnisse des eines Zukunftsprozesses mit dem IKPE Thüringen. In Kleingruppen diskutieren die Teilnehmenden Gelingensbedingungen und Praxishürden und entwickeln gemeinsam Perspektiven für eine zukünftige kooperative Sozialplanung.
Herausforderungen der Kommune mit einer engagierten Bürgerschaft bewältigen
Dieter Schöffmann (VIS a VIS)
Workshopbeschreibung
Kommunale Herausforderungen wie Klimaneutralität, Daseinsvorsorge, demokratische Teilhabe, Gestaltung und Erhalt öffentlicher Orte der Begegnung und anderes mehr können Kommunalpolitik und -verwaltung nicht alleine bewältigen. Es bedarf hier eines zielgerichteten Zusammenwirkens mit einer engagierten Bürgerschaft.
Wie das gelingen kann und was hierzu aufseiten der Politik und Verwaltung erforderlich ist, ist Gegenstand des Workshops.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Tagung des Vereins für Sozialplanung (VSOP) steht die Frage, welche Rolle Kommunen und Sozialplanung für Demokratie und Sozialstaat in unsicheren Zeiten spielen können …
Kommunen sehen sich heute mit großen Herausforderungen konfrontiert: soziale Ungleichheiten, Veränderungen der politischen Landschaft und der Sozialpolitik, neue technologische Entwicklungen sowie wachsender Druck auf demokratische Verfahren und Institutionen. Wie kann Sozialplanung hier Orientierung geben und zur Stärkung sozialer Teilhabe beitragen?
Die Tagung bietet Raum für den Austausch von Erfahrungen aus der Praxis und soll Impulse für Strategien im Umgang mit anspruchsvollen kommunalen und technologischen Entwicklungen setzen. Darüber hinaus wollen wir gemeinsam darüber diskutieren, was „integrierte Sozialplanung” in der kommunalen Praxis konkret bedeutet, wie verschiedene kommunale Planungen und Akteure besser zusammenarbeiten können und welche Rolle die Sozialplanung bei den anstehenden Herausforderungen spielen kann.


